Die Franchise ist einer der wichtigsten Hebel, um Krankenkassenprämien zu senken. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Franchisestufe sich für Ihre Situation lohnt, wie der Selbstbehalt funktioniert und welches Versicherungsmodell am meisten spart.
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Kalenderjahr selbst bezahlen müssen, bevor Ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt. Je höher die Franchise, desto tiefer fällt Ihre monatliche Prämie aus. Die Franchise wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt und gilt einheitlich für alle Krankenkassen.
Erwachsene können in der Schweiz zwischen sechs Franchisestufen wählen:
Für Kinder gelten tiefere Franchisestufen. Die meisten Eltern wählen die Franchise CHF 0, da Kinder regelmässig ärztlich untersucht werden:
💡 Gut zu wissen: Bei Kindern gibt es keine obligatorische Mindestfranchise. Mit CHF 0 Franchise übernimmt die Krankenkasse sämtliche Kosten ab dem ersten Franken (abzüglich Selbstbehalt).
Welche Franchise sich lohnt, hängt von Ihren persönlichen Gesundheitskosten ab. Die folgende Tabelle zeigt ein konkretes Rechenbeispiel (Durchschnittsprämien Schweiz, Erwachsene 26+, Standardmodell mit Unfalldeckung):
| Kostenfaktor | Franchise CHF 300 | Franchise CHF 2'500 |
|---|---|---|
| Monatliche Prämie (Durchschnitt) | ca. CHF 420 | ca. CHF 280 |
| Jahresprämie total | CHF 5'040 | CHF 3'360 |
| Franchise (Eigenanteil) | CHF 300 | CHF 2'500 |
| Max. Selbstbehalt (10%, gedeckelt) | CHF 700 | CHF 700 |
| Max. Eigenkosten total (Franchise + Selbstbehalt) | CHF 1'000 | CHF 3'200 |
| Gesamtkosten wenn gesund (0 CHF Arztkosten) | CHF 5'040 | CHF 3'360 ✅ |
| Gesamtkosten bei CHF 1'500 Arztkosten | CHF 5'460 | CHF 4'860 ✅ |
| Gesamtkosten bei CHF 3'000 Arztkosten | CHF 5'610 | CHF 5'560 |
| Maximale Gesamtkosten (viel krank) | CHF 6'040 ✅ | CHF 6'560 |
💡 Faustregel: Wer weniger als ca. CHF 2'200 Arztkosten pro Jahr erwartet, spart mit der Franchise 2'500 bares Geld. Wer regelmässig zum Arzt geht, Medikamente benötigt oder chronisch erkrankt ist, wählt besser die tiefste Franchise von CHF 300.
⚠ Achtung: Die Prämienersparnis bei höherer Franchise variiert stark je nach Kanton und Krankenkasse. Prüfen Sie die konkreten Prämien für Ihren Wohnort mit dem Prämienrechner, bevor Sie entscheiden.
Franchise und Selbstbehalt werden oft verwechselt, sind aber zwei unterschiedliche Kostenbeteiligungen in der Schweizer Grundversicherung. Zusammen bestimmen sie, wie viel Sie im Krankheitsfall aus eigener Tasche bezahlen.
Die Franchise ist der fixe Betrag, den Sie pro Kalenderjahr selbst tragen. Erst wenn Ihre Arzt- und Medikamentenkosten die Franchise übersteigen, beteiligt sich die Krankenkasse. Am 1. Januar wird die Franchise jedes Jahr auf Null zurückgesetzt.
Sobald Ihre Kosten die Franchise überschritten haben, bezahlen Sie auf die weiteren Kosten einen Selbstbehalt von 10%. Dieser Selbstbehalt ist gesetzlich begrenzt auf:
Eine erwachsene Person mit Franchise CHF 300 hat im Jahr Arztkosten von CHF 5'000:
Bei sehr hohen Kosten (z.B. CHF 10'000) greift die Deckelung: Der Selbstbehalt beträgt maximal CHF 700. Die Eigenkosten wären dann CHF 300 + CHF 700 = CHF 1'000.
💡 Spezialfall Medikamente: Bei bestimmten Originalmedikamenten, für die ein günstigeres Generikum existiert, kann der Selbstbehalt auf 20% erhöht werden. Fragen Sie in der Apotheke gezielt nach Generika, um Kosten zu sparen.
Neben der Franchise können Sie durch die Wahl eines alternativen Versicherungsmodells Ihre Prämien weiter senken. Alle Modelle bieten dieselben gesetzlichen Leistungen – sie unterscheiden sich nur darin, wie Sie den ersten ärztlichen Kontakt aufnehmen.
Im Standardmodell wählen Sie bei jedem Arztbesuch frei, welchen Arzt oder welches Spital Sie aufsuchen. Sie benötigen keine Überweisung und keine telefonische Vorabklärung.
Sie wählen einen festen Hausarzt als erste Anlaufstelle. Bei gesundheitlichen Beschwerden gehen Sie zuerst zu Ihrem Hausarzt, der Sie bei Bedarf an einen Spezialisten überweist. In Notfällen dürfen Sie direkt ins Spital.
Sie sind an ein bestimmtes HMO-Gesundheitszentrum oder eine Gruppenpraxis gebunden. Sämtliche Behandlungen laufen über dieses Zentrum, das auch Überweisungen koordiniert. HMO-Zentren arbeiten häufig besonders kostenbewusst.
Bei gesundheitlichen Beschwerden rufen Sie zuerst eine medizinische Hotline an. Geschultes Fachpersonal berät Sie telefonisch und entscheidet, ob ein Arztbesuch nötig ist. Viele Anliegen können bereits am Telefon geklärt werden.
Alle drei alternativen Modelle bieten identische Leistungen wie das Standardmodell – der Unterschied liegt im Zugangsweg zum Arzt und in der Höhe des Prämienrabatts.
| Kriterium | Hausarztmodell | HMO-Modell | Telmed-Modell |
|---|---|---|---|
| Erster Kontakt | Fester Hausarzt | HMO-Zentrum / Gruppenpraxis | Telefonische Hotline |
| Freie Arztwahl | Eingeschränkt (Hausarzt zuerst) | Stark eingeschränkt (nur HMO) | Nach Triage frei wählbar |
| Prämienrabatt | 7–15% | 15–25% | 10–20% |
| Verfügbarkeit | Schweizweit | Vor allem städtische Gebiete | Schweizweit |
| Notfälle | Direkt ins Spital erlaubt | Direkt ins Spital erlaubt | Direkt ins Spital erlaubt |
| Bindung | An gewählten Hausarzt | An HMO-Zentrum | Keine feste Arztbindung |
| Spezialist direkt | Nur mit Überweisung | Nur mit Überweisung | Nach telefonischer Freigabe |
| Ideal für | Familien, ältere Personen | Kostenbewusste in der Stadt | Junge, gesunde, digital affine |
💡 Optimale Kombination finden: Die grösste Ersparnis erzielen Sie, wenn Sie ein alternatives Versicherungsmodell mit einer hohen Franchise kombinieren. Ein Beispiel: Telmed-Modell mit Franchise CHF 2'500 kann im Vergleich zum Standardmodell mit Franchise CHF 300 eine Prämienersparnis von über CHF 3'000 pro Jahr bringen. Prüfen Sie allerdings, ob diese Kombination zu Ihrer Gesundheitssituation passt. Wer regelmässig zum Arzt muss, fährt oft mit einer tieferen Franchise und dem Hausarztmodell besser.
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Die Antwort hängt von Ihren jährlichen Gesundheitskosten ab. Als Faustregel gilt: Wer weniger als ca. CHF 2'200 pro Jahr an Arzt- und Medikamentenkosten hat, spart mit der höchsten Franchise (CHF 2'500) am meisten. Die Prämienersparnis von rund CHF 1'680 pro Jahr übersteigt in diesem Fall die höhere Kostenbeteiligung. Wer dagegen regelmässig Medikamente bezieht, chronisch erkrankt ist oder häufig ärztliche Behandlungen benötigt, wählt besser die Franchise CHF 300, um die maximalen Eigenkosten tief zu halten.
Ja, die Franchise kann geändert werden. Eine Erhöhung der Franchise ist zweimal jährlich möglich: per 1. Januar und per 1. Juli. Eine Senkung der Franchise ist nur per 1. Januar möglich. Die Änderung kann bei der aktuellen Krankenkasse beantragt werden oder im Rahmen eines Kassenwechsels erfolgen. Es ist kein Kündigungsgrund nötig – Sie teilen Ihrer Kasse einfach die gewünschte neue Franchise mit.
Für eine Änderung per 1. Januar muss die Mitteilung bis spätestens 30. November des Vorjahres bei Ihrer Krankenkasse eingehen. Für eine Erhöhung per 1. Juli gilt der 31. März als Frist. Wichtig: Eine Senkung der Franchise ist nur per 1. Januar möglich, nicht per Jahresmitte. Senden Sie die Änderungsmitteilung am besten per Einschreiben, damit Sie den fristgerechten Eingang nachweisen können.
Der Selbstbehalt ist Ihre zusätzliche Kostenbeteiligung, nachdem die Franchise ausgeschöpft ist. Er beträgt 10% der Kosten, die über die Franchise hinausgehen. Der Selbstbehalt ist gesetzlich gedeckelt auf maximal CHF 700 pro Jahr für Erwachsene und CHF 350 pro Jahr für Kinder. Das bedeutet: Selbst bei sehr hohen Behandlungskosten zahlen Sie als Erwachsener maximal CHF 700 Selbstbehalt pro Jahr – unabhängig von der gewählten Franchise.
Beide Modelle senken die Prämien deutlich, funktionieren aber unterschiedlich. HMO bietet den höchsten Rabatt (15–25%), bindet Sie aber an ein bestimmtes Gesundheitszentrum – ideal in der Stadt, wo HMO-Zentren gut erreichbar sind. Telmed bietet 10–20% Rabatt und ist flexibler: Nach der obligatorischen telefonischen Erstberatung können Sie oft einen beliebigen Arzt aufsuchen. Telmed eignet sich besonders für gesunde, digital affine Personen, die selten zum Arzt gehen. Wenn Sie in einer ländlichen Region wohnen, ist Telmed häufig die einzige Alternative, da HMO-Zentren dort oft fehlen.
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