HMO, Hausarzt oder Telmed – Welches Modell spart am meisten?

18. September 2025 · 11 Min. Lesezeit
Moderne Schweizer Apotheke – alternative Versicherungsmodelle

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Standardmodell
  2. Hausarztmodell
  3. HMO-Modell
  4. Telmed-Modell
  5. Grosser Vergleich
  6. Wer sollte welches Modell wählen?

Das Standardmodell – Freie Arztwahl

Im Standardmodell haben Sie freie Arztwahl. Sie können direkt zum Spezialisten gehen, ohne vorher den Hausarzt zu konsultieren. Dieses Modell bietet maximale Flexibilität, ist aber auch das teuerste. Es entspricht der klassischen Form der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP), wie sie im Krankenversicherungsgesetz (KVG) vorgesehen ist.

Das Standardmodell eignet sich besonders für Personen, die regelmässig verschiedene Spezialisten aufsuchen müssen – beispielsweise bei chronischen Erkrankungen, die mehrere Fachrichtungen betreffen. Auch wer häufig reist oder den Wohnort wechselt, schätzt die uneingeschränkte Flexibilität.

Das Hausarztmodell – 10–15% sparen

Im Hausarztmodell wählen Sie einen festen Hausarzt als erste Anlaufstelle. Bei gesundheitlichen Problemen gehen Sie immer zuerst zu diesem Arzt, der Sie bei Bedarf an Spezialisten überweist. Dieses Modell ist das beliebteste alternative Versicherungsmodell in der Schweiz.

Vorteile:

Nachteile:

Praxis-Beispiel Hausarztmodell

Frau Meier (42) aus Bern hat einen festen Hausarzt und geht selten zum Spezialisten. Im Standardmodell zahlt sie CHF 398/Monat. Im Hausarztmodell spart sie 12%, also CHF 48/Monat – das sind CHF 576 pro Jahr. Da sie ohnehin immer zuerst zu ihrem Hausarzt geht, hat sie keinerlei Einschränkung.

Das HMO-Modell – 15–25% sparen

HMO steht für «Health Maintenance Organization». Sie lassen sich in einer HMO-Gruppenpraxis behandeln, wo mehrere Ärzte unter einem Dach arbeiten. In der Schweiz betreiben verschiedene Krankenkassen eigene HMO-Praxen, vor allem in städtischen Gebieten.

Vorteile:

Nachteile:

Praxis-Beispiel HMO-Modell

Herr Keller (35) lebt in Zürich und ist gesund. Im Standardmodell zahlt er CHF 425/Monat. Im HMO-Modell spart er 22%, also CHF 94/Monat – das sind CHF 1'128 pro Jahr. Da in Zürich mehrere HMO-Praxen zur Verfügung stehen, findet er problemlos eine in seiner Nähe.

Das Telmed-Modell – 10–20% sparen

Beim Telmed-Modell rufen Sie bei gesundheitlichen Problemen zuerst eine medizinische Hotline an. Medizinisch geschultes Fachpersonal berät Sie und entscheidet, ob ein Arztbesuch nötig ist. Manche Kassen bieten inzwischen auch eine App-basierte Variante an, bei der Sie per Chat oder Video beraten werden.

Vorteile:

Nachteile:

Praxis-Beispiel Telmed-Modell

Familie Brunner (2 Erwachsene, 1 Kind) aus Luzern nutzt das Telmed-Modell. Bei Fragen wie «Hat das Kind Fieber – müssen wir zum Arzt?» rufen sie die Hotline an und erhalten sofort eine Einschätzung. Die Eltern sparen zusammen CHF 110/Monat, also CHF 1'320 pro Jahr. Nach dem Anruf dürfen sie den Arzt frei wählen.

Grosser Vergleich: Alle Modelle

KriteriumStandardHausarztHMOTelmed
Prämienersparnis0%10–15%15–25%10–20%
Freie Arztwahl✓*
Erster KontaktFrei wählbarHausarztHMO-PraxisTelefon/App
VerfügbarkeitÜberallFast überallStädtische GebieteÜberall
FlexibilitätSehr hochMittelGeringHoch
Geeignet fürAlleStammkundenStadtbewohnerDigital-affine
Ø Ersparnis/Jahr (Kt. ZH)CHF 0CHF 530–640CHF 765–1'275CHF 510–1'020

*Nach telefonischer Triage freie Arztwahl.

Rechenbeispiel: So viel sparen Sie konkret

Für eine erwachsene Person im Kanton Zürich mit Franchise CHF 300 ergeben sich folgende ungefähre Monatsprämien und Ersparnisse:

ModellØ Prämie/MonatErsparnis/MonatErsparnis/Jahr
Standard (Referenz)CHF 425
HausarztCHF 370CHF 55CHF 660
HMOCHF 330CHF 95CHF 1'140
TelmedCHF 350CHF 75CHF 900

Kombiniert mit einer höheren Franchise (z.B. CHF 2'500 statt CHF 300) lässt sich die Ersparnis nochmals deutlich steigern. Eine Person mit HMO-Modell und CHF 2'500 Franchise kann gegenüber dem Standard mit CHF 300 Franchise bis zu CHF 2'500 pro Jahr sparen.

Wer sollte welches Modell wählen?

Kombinieren Sie: Ein alternatives Modell + hohe Franchise kann zusammen bis zu 40% Prämienersparnis bringen. Eine vierköpfige Familie kann so bis zu CHF 5'000 pro Jahr sparen.

Modell wechseln: So geht's

Der Wechsel des Versicherungsmodells ist einfach, aber an bestimmte Termine gebunden:

Wichtig: Die Leistungen der Grundversicherung bleiben bei allen Modellen identisch. Sie geben keine medizinische Qualität auf – nur den Zugangsweg.

Häufige Fragen

Von einem eingeschränkten Modell zum Standardmodell können Sie per 1. Januar oder 1. Juli wechseln. Vom Standard zu einem eingeschränkten Modell nur per 1. Januar. Innerhalb derselben Kasse ist ein Modellwechsel oft auch unterjährig möglich – fragen Sie direkt nach.

In allen Modellen gilt: Bei einem echten Notfall können Sie direkt ins nächste Spital oder zum nächsten Arzt gehen. Die Erstversorgungspflicht ist uneingeschränkt. Sie müssen weder zuerst den Hausarzt kontaktieren noch die Telmed-Hotline anrufen.

Ja. Alle Modelle bieten denselben Leistungskatalog der Grundversicherung. Nur der Zugangsweg zum Arzt unterscheidet sich. Sie erhalten überall dieselben Medikamente, Behandlungen und Spitalleistungen.

Wenn Sie ohne Überweisung zum Spezialisten gehen, kann die Krankenkasse die Kostenübernahme verweigern. In der Praxis mahnen die meisten Kassen beim ersten Mal nur ab, aber bei wiederholten Verstössen droht die Rückstufung ins teurere Standardmodell oder die Nichtübernahme der Kosten.

Leider ist das HMO-Angebot in ländlichen Regionen stark eingeschränkt. HMO-Praxen finden sich hauptsächlich in Städten wie Zürich, Bern, Basel, Luzern und St. Gallen. In ländlichen Gebieten ist das Hausarzt- oder Telmed-Modell die bessere Alternative.

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